Euer Vertrieb schickt Angebote per E-Mail, Bestellungen kommen per Telefon rein, und die Preisliste lebt in einer Excel-Datei, die nur eine Person versteht. Gleichzeitig habt ihr einen D2C-Shop auf Shopify, der sauber läuft. Die naheliegende Frage: Kann Shopify auch euer B2B-Geschäft abbilden?
Die kurze Antwort: Ja, teilweise. Seit April 2026 hat Shopify seine nativen B2B-Funktionen auf alle Pläne ausgeweitet, nicht mehr nur auf Shopify Plus. Das senkt die Einstiegsschwelle erheblich. Aber “verfügbar” heißt nicht “ausreichend”. Ob Shopify B2B für euren konkreten Fall reicht, hängt von der Komplexität eurer Anforderungen, eurem ERP-Ökosystem und euren Wachstumsplänen ab.
Dieser Artikel gibt euch die Entscheidungsgrundlage: Was Shopify B2B heute kann, wo es an Grenzen stößt und wann eine andere Plattform die ehrlichere Wahl ist.
Shopify B2B 2026: Was sich gerade ändert
Shopify hat seine B2B-Strategie in den letzten zwei Jahren grundlegend verschoben. Ein kurzer Rückblick, damit ihr wisst, woher die Funktionen kommen und warum manche Informationen im Netz veraltet sind:
Bis 2023: Wholesale Channel. Shopifys erster B2B-Ansatz war der Wholesale Channel, ein separater Bereich innerhalb des Shops, in dem Großhandelskunden eigene Preise und einen passwortgeschützten Zugang bekamen. Shopify hat den Wholesale Channel eingestellt. Wenn ihr Artikel findet, die ihn noch empfehlen, sind diese veraltet.
2023 bis 2025: B2B nur auf Shopify Plus. Shopify führte native B2B-Funktionen ein (Firmenkunden, Kataloge, Preislisten, Zahlungsbedingungen), aber ausschließlich für Shopify Plus. Das hieß: Mindestens 2.300 EUR pro Monat, bevor ihr überhaupt eine B2B-Preisliste anlegen konntet. Für viele Mittelständler war das eine zu hohe Schwelle für ein Experiment.
April 2026: B2B for All. Shopify hat die Kernfunktionen auf Basic, Grow und Advanced erweitert. Nicht alles, was Plus kann, ist auf den kleineren Plänen verfügbar, aber die Grundlagen (Firmenkonten, Kataloge, individuelle Preise) schon. Das verändert die Kalkulation grundlegend.
Was das für euch bedeutet: Wenn ihr Shopify B2B vor 2026 bewertet habt und es wegen der Plus-Pflicht verworfen habt, lohnt sich ein zweiter Blick. Die Einstiegsschwelle ist deutlich gesunken.
Was Shopify B2B nativ kann
Hier ein Überblick über die B2B-Funktionen, die Shopify mittlerweile mitbringt, und auf welchem Plan sie verfügbar sind:
Firmenkonten (Company Accounts)
Ihr könnt Geschäftskunden als Firmen anlegen, mit mehreren Standorten, Einkäufern und Berechtigungen. Das ist die Grundlage für alles Weitere: Preislisten, Zahlungsbedingungen und Bestellhistorien werden an die Firma geknüpft, nicht an einzelne Personen.
Kataloge und individuelle Preislisten
Für jeden Geschäftskunden oder jede Kundengruppe könnt ihr eigene Kataloge erstellen: andere Preise, andere Produkte, andere Rabattstrukturen. Ein Großhändler sieht andere Preise als ein kleiner Wiederverkäufer, und beide sehen nur die Produkte, die für sie relevant sind.
Zahlungsbedingungen
Netto 30, Netto 60 oder individuelle Zahlungsziele. Eure Geschäftskunden können auf Rechnung bestellen, ohne sofort bezahlen zu müssen. Die offenen Posten werden im Shopify-Admin verwaltet.
Staffelpreise und Mindestbestellmengen
Mengenrabatte lassen sich pro Produkt und pro Katalog definieren. Mindestbestellmengen (MOQs) stellen sicher, dass B2B-Kunden nicht einzelne Stückzahlen zu Großhandelspreisen bestellen.
Draft Orders
Euer Vertriebsteam kann Bestellungen im Namen von Kunden anlegen. Praktisch für telefonische Bestellungen, Sonderkonditionen oder komplexe Aufträge, die nicht über den Self-Service-Checkout laufen.
B2B-Checkout
Geschäftskunden durchlaufen einen separaten Checkout-Flow mit ihren hinterlegten Konditionen: individuelle Preise, Zahlungsbedingungen, ggf. Kauf auf Rechnung. Der B2B-Checkout ist vom B2C-Checkout getrennt.
Plan-Vergleich: Was ist wo verfügbar?
Wichtig: Die Limits auf den Standard-Plänen sind für viele mittelständische B2B-Starter ausreichend. Erst wenn ihr hunderte Firmenkonten, dutzende Kataloge oder komplexe Automatisierungen braucht, wird Plus zum echten Vorteil.
Drei Wege zu B2B auf Shopify
Nicht jedes B2B-Setup sieht gleich aus. Je nach Ausgangslage gibt es drei sinnvolle Wege:
Weg 1: Native B2B-Features auf Standard-Plänen
Ihr nutzt die eingebauten B2B-Funktionen auf Basic, Grow oder Advanced. Kein Plus, keine teuren Apps. Das funktioniert, wenn eure B2B-Anforderungen überschaubar sind: eine Handvoll Geschäftskunden, wenige Preislisten, keine komplexen Freigabeprozesse.
Passt für: D2C-Marken, die beginnen, an Wiederverkäufer zu liefern. Kleine B2B-Segmente neben einem etablierten B2C-Geschäft. Unternehmen, die B2B testen wollen, ohne sofort in Plus zu investieren.
Weg 2: Shopify Plus mit erweiterten B2B-Funktionen
Ihr nutzt Shopify Plus für den vollen Funktionsumfang: unbegrenzte Firmenkonten, unbegrenzte Kataloge, Checkout Extensibility für individuelle Checkout-Logik, Shopify Flow für Automatisierungen und höhere API-Limits für ERP-Integrationen.
Passt für: Unternehmen mit einem etablierten B2B-Geschäft, vielen Kunden mit individuellen Konditionen und dem Bedarf an Automatisierung. Typischerweise ab einem B2B-Online-Umsatz von 500.000 EUR aufwärts, wo die Plus-Lizenz im Verhältnis zum Umsatz steht.
Weg 3: Blended Store (B2B + B2C in einem Shop)
Ihr betreibt einen einzigen Shopify-Shop für Endkunden und Geschäftskunden. B2C-Kunden sehen reguläre Preise, B2B-Kunden loggen sich ein und sehen ihre individuellen Konditionen. Ein Shop, zwei Erlebniswelten.
Passt für: Unternehmen, die D2C und Wholesale parallel bedienen und den operativen Aufwand eines zweiten Shops vermeiden wollen. Funktioniert gut, solange die B2B-Anforderungen nicht radikal vom B2C-Erlebnis abweichen.
Achtung: Blended Stores funktionieren in etwa 70 Prozent der Fälle gut. Die restlichen 30 Prozent scheitern daran, dass B2B-Kunden fundamental andere Anforderungen an Navigation, Produktdarstellung oder Checkout haben als Endkunden. Wenn euer B2B-Sortiment, eure Preislogik und euer Bestellprozess stark vom B2C abweichen, fahrt ihr mit getrennten Shops besser.
Entscheidungsmatrix
Wo Shopify B2B an Grenzen stößt
Jetzt der Teil, den die meisten Shopify-Agentur-Artikel auslassen. Shopify B2B ist stark für den Einstieg und für Unternehmen mit überschaubarer B2B-Komplexität. Aber es gibt klare Grenzen:
Komplexe Freigabe-Workflows
Im klassischen B2B-Einkauf gibt es oft mehrstufige Genehmigungsprozesse: Der Einkäufer stellt den Warenkorb zusammen, der Abteilungsleiter genehmigt ab 5.000 EUR, die Geschäftsführung ab 20.000 EUR. Shopify bildet das nicht nativ ab. Firmenkonten haben Einkäufer und Standorte, aber keine Budgetgrenzen oder Genehmigungsketten. Für Unternehmen, deren Kunden solche Workflows erwarten, ist das ein echtes Defizit.
ERP-Integration
Shopify hat keine nativen Konnektoren für SAP Business One, Microsoft Dynamics 365 Business Central oder DATEV. Die Integration läuft über Middleware (Patchworks, Celigo, Make) oder Custom-APIs. Das funktioniert, ist aber ein Integrationsprojekt, kein Plugin-Install. Bestandsabgleich, Auftragssynchronisation und Rechnungsexport müssen sauber konfiguriert werden, sonst habt ihr doppelte Datenhaltung und manuelle Korrekturen.
Wer bereits ein komplexes ERP-Ökosystem betreibt, sollte die Integrationskosten realistisch einplanen, nicht die Shopify-Lizenz.
Eingeschränkte Checkout-Anpassung
Shopify Plus bietet Checkout Extensibility für individuelle Checkout-Logik. Auf Standard-Plänen seid ihr auf die vorgegebenen Checkout-Optionen beschränkt. Für B2B-spezifische Anforderungen wie Bestellreferenznummern (PO-Numbers), Kostenstellenzuordnung oder projektbasierte Bestellungen müsst ihr mit Apps oder Custom-Code arbeiten, sofern Plus das nicht abdeckt.
Kein klassisches B2B-Portal
Wenn eure Kunden ein Self-Service-Portal erwarten, in dem sie Rechnungen einsehen, Lieferstatus tracken, Reklamationen einreichen und ihre Vertragsdaten verwalten, ist Shopify nicht die richtige Plattform. Shopify bietet ein Kundenkonto mit Bestellhistorie, aber kein vollwertiges B2B-Kundenportal. Für portalzentrierte B2B-Geschäftsmodelle sind spezialisierte Systeme wie Intershop, SAP Commerce oder Emporix die bessere Grundlage.
Kein natives Angebotswesen
Angebotsanfragen, Verhandlungsrunden, individuelle Angebotsdokumente mit Gültigkeitsdaten: Das ist im klassischen B2B Standard, in Shopify nicht abbildbar ohne Drittanbieter-Apps. Draft Orders sind ein Workaround, aber kein Ersatz für einen strukturierten Angebotsprozess.
Die DACH-Lücke
Für den deutschen Markt fehlen einige Punkte, die B2B-Kunden in der DACH-Region erwarten:
ZUGFeRD / XRechnung: Elektronische Rechnungsformate, die für öffentliche Auftraggeber und zunehmend auch im privaten B2B Pflicht werden. Shopify unterstützt das nicht nativ.
DATEV-Export: Für die Buchhaltung in deutschen Unternehmen ein Standardformat. Erfordert eine Drittanbieter-App oder Middleware.
USt-IdNr.-Validierung: Die automatische Prüfung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer eures B2B-Kunden ist in der EU Pflicht für steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen. Shopify bietet das nicht nativ, aber es gibt Apps dafür.
Kauf auf Rechnung via Billie oder Mondu: B2B-Kunden in Deutschland erwarten Rechnungskauf. Shopify unterstützt Zahlungsbedingungen nativ, aber die Integration spezialisierter B2B-Payment-Provider erfordert zusätzliche Konfiguration.
Keine dieser Lücken ist ein Dealbreaker. Aber jede bedeutet zusätzliche Apps, Middleware oder Custom-Entwicklung, und damit Kosten, die in der Shopify-Lizenz nicht enthalten sind.
Was ein Shopify-B2B-Shop wirklich kostet
Die Shopify-Lizenz ist nur ein Bruchteil der Gesamtkosten. Hier eine realistische Aufstellung:
Setup-Kosten (einmalig)
Laufende Kosten (monatlich)
Ab wann sich Plus lohnt
Die Faustregel: Wenn eure monatlichen App-Kosten auf dem Standard-Plan die 500-EUR-Marke überschreiten und ihr gleichzeitig an die Limits bei Firmenkonten oder Katalogen stoßt, rechnet sich Plus. Typischerweise ist das ab einem B2B-Online-Umsatz von 500.000 EUR pro Jahr der Fall. Darunter fahrt ihr mit Standard + Apps günstiger.
Shopify B2B oder Shopware B2B?
Die Frage, die im DACH-Markt am häufigsten gestellt wird. Beide Plattformen sind zertifizierte datrycs-Partner, deshalb können wir ehrlich vergleichen, ohne eine Seite bevorzugen zu müssen.
Wann Shopify die bessere Wahl ist
Euer B2B-Geschäft ist eine Erweiterung eures D2C-Shops (Blended Store)
Ihr wollt schnell starten und iterieren
Internationalisierung ist wichtiger als DACH-spezifische Tiefe
Euer B2B-Prozess folgt einem Standard-Muster (Kataloge, Preislisten, Rechnungskauf)
Wann Shopware die bessere Wahl ist
Euer B2B-Geschäft hat komplexe Anforderungen (Genehmigungsworkflows, Budgets, Rollen)
Ihr braucht tiefe Integration in ein DACH-ERP-Ökosystem (SAP, DATEV, Dynamics)
Anpassbarkeit und Code-Kontrolle sind wichtiger als Geschwindigkeit
Euer B2B macht den Hauptteil eures Umsatzes aus, nicht nur ein Nebenkanal
Wer vor der grundsätzlichen Plattformfrage steht, findet in unserem Artikel zur Wahl der richtigen Replatforming-Agentur einen ergänzenden Denkrahmen.
Häufige Fragen zu Shopify B2B
Brauche ich Shopify Plus für B2B?
Nicht mehr zwingend. Seit April 2026 sind die Kern-B2B-Funktionen (Firmenkonten, Kataloge, Preislisten, Zahlungsbedingungen) auch auf Standard-Plänen verfügbar. Plus lohnt sich, wenn ihr unbegrenzte Firmenkonten, volle Checkout-Anpassung via Checkout Extensibility, erweiterte Automatisierungen über Shopify Flow oder höhere API-Limits für ERP-Integrationen braucht.
Kann ich B2B und B2C in einem Shop betreiben?
Ja, das ist der sogenannte Blended Store. B2C-Kunden sehen reguläre Preise, B2B-Kunden loggen sich ein und sehen ihre individuellen Konditionen. Das funktioniert gut, solange die Unterschiede zwischen B2B- und B2C-Erlebnis nicht zu groß sind. Sobald euer B2B-Sortiment, eure Preislogik oder eure Bestellprozesse fundamental vom B2C abweichen, fahrt ihr mit getrennten Shops besser.
Was ist der Unterschied zwischen dem Wholesale Channel und Shopify B2B?
Der Wholesale Channel war Shopifys erster B2B-Ansatz und ist eingestellt. Die aktuellen B2B-Funktionen sind direkt in die Plattform integriert (nicht als separater Kanal), bieten Firmenkonten, individuelle Kataloge, Zahlungsbedingungen und einen eigenen B2B-Checkout. Wenn ihr noch Informationen zum Wholesale Channel findet, sind diese veraltet.
Wie verbinde ich Shopify B2B mit meinem ERP?
Über Middleware-Plattformen wie Patchworks, Celigo oder Make/n8n. Shopify hat keine nativen Konnektoren für SAP, Dynamics oder DATEV. Die Integration umfasst typischerweise Bestandsabgleich, Auftragsübernahme, Kundensynchronisation und Rechnungsexport. Rechnet mit 5.000 bis 20.000 EUR Einmalkosten für eine saubere Integration und 100 bis 500 EUR monatlich für die Middleware.
Was kostet ein Shopify B2B-Shop insgesamt?
Realistischer Korridor: 15.000 bis 45.000 EUR Setup auf Standard-Plänen, 25.000 bis 60.000 EUR auf Plus. Monatliche Gesamtkosten (Lizenz, Apps, Middleware, Wartung): 800 bis 3.000 EUR auf Standard, 3.000 bis 5.000 EUR auf Plus. Der größte Kostentreiber ist nicht die Lizenz, sondern die ERP-Integration und die laufende App-Pflege.
Ist Shopify B2B für den deutschen Markt geeignet?
Grundsätzlich ja, mit Einschränkungen. Shopify bietet Zahlungsbedingungen und Rechnungskauf nativ. Aber DACH-spezifische Anforderungen wie ZUGFeRD/XRechnung, DATEV-Export und automatische USt-IdNr.-Validierung erfordern Drittanbieter-Apps oder Middleware. Das ist lösbar, aber nicht out-of-the-box.
Ab welchem Umsatz lohnt sich Shopify Plus für B2B?
Als Faustregel: Ab 500.000 EUR B2B-Online-Umsatz pro Jahr. Darunter fahrt ihr mit einem Standard-Plan plus Apps in der Regel günstiger. Der Kipppunkt kommt, wenn die monatlichen App-Kosten die 500-EUR-Marke übersteigen und ihr gleichzeitig an Funktionslimits stoßt (Anzahl Firmenkonten, Kataloge, API-Rate-Limits). Dann wird Plus wirtschaftlich sinnvoller, weil viele App-Funktionen nativ abgedeckt werden.
Nächster Schritt
Shopify B2B ist 2026 deutlich zugänglicher geworden. Aber “verfügbar” und “passend für euer Geschäft” sind zwei verschiedene Dinge. Die Plattformwahl hängt von eurer B2B-Komplexität, eurem ERP-Ökosystem und euren Wachstumsplänen ab.
Wenn ihr wissen wollt, ob Shopify B2B für euren konkreten Fall die richtige Wahl ist: Kontakt aufnehmen. Wir sind zertifizierter Shopify- und Shopware-Partner und beraten plattformunabhängig. Kein Vendor-Pitch, sondern eine ehrliche Einschätzung, was zu eurem Geschäft passt.



















.jpeg)




















.jpeg)






















.avif)





