Drei Angebote liegen auf dem Tisch. Eines kommt auf 35.000 EUR, das zweite auf 85.000 EUR, das dritte auf 140.000 EUR. Alle drei Agenturen haben dasselbe Briefing bekommen. Trotzdem unterscheiden sich die Summen um den Faktor vier.
Das ist kein Ausreißer. Das ist der Normalzustand bei Online-Shop-Relaunches im Mittelstand. Die Preisunterschiede entstehen nicht, weil eine Agentur gieriger ist als die andere. Sie entstehen, weil jede etwas anderes einpreist, etwas anderes weglässt und etwas anderes unter "Relaunch" versteht.
Wir haben in über 220 E-Commerce-Projekten gelernt, welche Kosten in Angeboten stehen und welche erst auf der Rechnung auftauchen. In diesem Artikel bekommt ihr die ehrliche Kalkulation: Was ein Online-Shop-Relaunch je nach Projekttyp wirklich kostet, welche sieben versteckten Aufwände fast jedes Budget sprengen und wie ihr ein realistisches Budget plant.
Was kostet ein Online-Shop-Relaunch? Die ehrliche Antwort
Die unbefriedigende Wahrheit: Es kommt darauf an. Die befriedigende Wahrheit: Es lässt sich eingrenzen, wenn ihr wisst, welchen Projekttyp ihr vor euch habt.
Denn "Relaunch" ist kein einheitlicher Begriff. Ein reines Frontend-Redesign auf derselben Plattform ist ein völlig anderes Projekt als ein Plattformwechsel von Shopware 5 auf Shopify Plus mit ERP-Integration und Mehrsprachigkeit.
Kostenübersicht nach Projekttyp
Diese Spannen basieren auf DACH-Marktpreisen für Agenturen, die strategisch arbeiten. Reine Entwicklungsdienstleister können günstiger sein, liefern aber in der Regel kein Konzept, keine Architekturentscheidung und keine Verantwortung für das Ergebnis.
Was den Preis nach oben treibt
Drei Faktoren verursachen die größten Preissprünge:
- Individuelles Design vs. Template: Ein Custom-Design kostet das Zwei- bis Dreifache eines Theme-basierten Ansatzes. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie stark eure Marke über das Einkaufserlebnis differenziert.
- Anzahl der Integrationen: Jede Schnittstelle (ERP, PIM, CRM, Payment, Versand, Marktplätze) kostet einzeln zwischen 3.000 und 15.000 EUR. Bei fünf Integrationen sind das schnell 30.000 bis 50.000 EUR zusätzlich.
- Mehrsprachigkeit und Internationalisierung: Rechnet mit 30 bis 40 Prozent Aufschlag auf die Gesamtkosten. Nicht wegen der Übersetzung, sondern wegen der Logik: unterschiedliche Preise, Steuern, Versandregeln, rechtliche Anforderungen pro Markt.
Die 7 versteckten Aufwände, die kein Angebot enthält
Hier wird es interessant. Denn die Projektkosten im Angebot sind nur ein Teil der Rechnung. In unserer Erfahrung machen die versteckten Aufwände 30 bis 50 Prozent der tatsächlichen Gesamtkosten aus.
Laut einer Studie von Swell Commerce scheitern oder sprengen 83 Prozent der E-Commerce-Replatforming-Projekte das Budget. Nicht, weil die Technik zu komplex ist, sondern weil Aufwände unterschätzt werden, die gar nicht im Angebot stehen.
1. Datenbereinigung und Migration
Euer neues System ist nur so gut wie die Daten, die hineinfließen. Produktdaten in drei verschiedenen Formaten, doppelte Kundendatensätze, inkonsistente Kategoriestrukturen: Das ist der Normalzustand nach Jahren im alten System.
Typischer Aufwand: 5.000 bis 20.000 EUR, je nach Katalogkomplexität. Bei über 10.000 Produkten mit Variantenlogik auch deutlich mehr.
Viele Agenturen schreiben "Datenmigration" ins Angebot, meinen damit aber nur den technischen Transfer. Die Bereinigung vorher? Die liegt bei euch. Wer "Garbage in" zulässt, bekommt im neuen System "Garbage out".
2. SEO-Migration und Redirect-Mapping
Jede URL, die im alten Shop Traffic generiert, muss per 301-Redirect auf das exakt passende Äquivalent im neuen Shop zeigen. Bei einem Shop mit 5.000 Produktseiten, 200 Kategorieseiten und 50 Blogartikeln sind das über 5.000 einzelne Redirects.
Typischer Aufwand: 3.000 bis 8.000 EUR für professionelles Redirect-Mapping. Dazu kommt die Monitoring-Phase nach dem Launch (2 bis 3 Monate), in der 404-Fehler aufgespürt und behoben werden.
Was auf dem Spiel steht: Ohne saubere SEO-Migration verliert ihr im schlimmsten Fall 30 bis 50 Prozent eures organischen Traffics. Das kann Monate dauern, bis es sich erholt. Wer organisch 20.000 Besucher pro Monat hat und eine Conversion Rate von 2 Prozent bei 80 EUR Warenkorbwert fährt, verliert bei 40 Prozent Traffic-Einbruch rund 12.800 EUR Umsatz pro Monat.
3. Change Management und Schulung
Ein neues Shopsystem betrifft nicht nur die IT. Vertrieb arbeitet mit neuen Dashboards. Marketing braucht andere Workflows für Content und Kampagnen. Logistik muss neue Schnittstellen verstehen. Buchhaltung bekommt andere Exportformate.
Typischer Aufwand: 3.000 bis 10.000 EUR für Schulungen, Dokumentation und interne Kommunikation. Bei größeren Teams mit spezialisierten Rollen eher am oberen Ende.
Dieser Posten taucht in fast keinem Agentur-Angebot auf. Aber wenn euer Team das neue System nicht bedienen kann, nützt der beste Relaunch nichts.
4. Integrationskosten im Detail
Die Schnittstelle zwischen Shop und ERP "funktioniert" laut Agentur. Aber was heißt das konkret? Werden Bestellungen in Echtzeit synchronisiert oder im Batch? Was passiert bei Fehlern? Wer monitort die Schnittstelle? Was, wenn das ERP ein Update bekommt?
Typischer Aufwand: 3.000 bis 15.000 EUR pro Integration für die initiale Anbindung. Dazu 500 bis 1.500 EUR pro Monat für Monitoring und Wartung. Bei fünf Integrationen sind das 2.500 bis 7.500 EUR laufende Kosten pro Monat.
Ein häufiger Fehler: Alle Integrationen gleichzeitig zum Launch umsetzen wollen. Klüger ist, mit den geschäftskritischen zu starten (ERP, Payment, Versand) und den Rest schrittweise nachzuziehen. Das reduziert Risiko und initiale Kosten.
5. Parallelbetrieb und Business Continuity
Während der Migration laufen beide Systeme parallel. Das alte muss weiter gepflegt werden (Sicherheitsupdates, Bestellungen, Kundensupport), während das neue aufgebaut wird. Wer hat die Kapazität dafür?
Typischer Aufwand: 2.000 bis 5.000 EUR pro Monat für den Parallelbetrieb. Bei einem Projekt, das sechs Monate dauert: 12.000 bis 30.000 EUR zusätzlich.
6. Post-Launch-Stabilisierung
Kein Relaunch läuft fehlerfrei. Die ersten vier bis sechs Wochen nach Go-live sind eine intensive Phase: Performance-Probleme unter echter Last, Checkout-Fehler bei Edge Cases, Schnittstellenabbrüche, die im Staging nicht aufgefallen sind.
Typischer Aufwand: 5.000 bis 15.000 EUR für Bug-Fixing und Optimierung in den ersten sechs Wochen. Wer das nicht einplant, steht nach dem Launch mit einem Notfall-Budget da.
Wir haben ausführlich beschrieben, warum E-Commerce-Projekte nach dem Go-live scheitern. Der häufigste Grund: Der Vertrag endet mit dem Go-live, aber die echte Arbeit beginnt erst danach.
7. Opportunity Costs: der Elefant im Raum
Was kostet es euch, wenn der Relaunch drei Monate länger dauert als geplant? Wenn Features, die Umsatz bringen, verschoben werden, weil die Migration Ressourcen bindet?
Diese Kosten stehen in keinem Angebot. Aber sie sind oft der größte Posten. Ein Mittelständler mit 5 Millionen EUR Online-Umsatz, der durch einen verzögerten Relaunch drei Monate lang auf eine bessere Conversion Rate verzichtet, verliert bei nur einem Prozentpunkt Verbesserungspotenzial rund 125.000 EUR.
Versteckte Aufwände in der Übersicht
Woran ihr ein ehrliches Angebot erkennt
Nach 220+ Projekten haben wir ein gutes Gespür dafür entwickelt, welche Angebote realistisch sind und welche euch in drei Monaten eine Nachkalkulation bescheren. Hier sind die Warnsignale:
Zeichen für ein solides Angebot:
- Separate Posten für Datenmigration, SEO-Migration und Schulung
- Expliziter Hinweis auf den Aufwand für Integrationen
- Puffer von 15 bis 20 Prozent für Unvorhergesehenes eingebaut
- Klare Definition, was "nach Go-live" passiert (Support-SLA, Bug-Fixing-Phase)
- Zeitplan mit Meilensteinen und Abhängigkeiten, nicht nur einem Enddatum
Warnsignale:
- Ein einziger Pauschalpreis ohne Aufschlüsselung
- "Datenmigration inklusive" ohne Definition, was das bedeutet
- Kein Post-Launch-Support im Angebot
- Zeitplan ohne Puffer
- Der günstigste Anbieter im Vergleich (das günstigste Angebot ist fast nie das günstigste Projekt)
Festpreis vs. Time & Material: Was sich wann lohnt
Die Abrechnungsmodelle beeinflussen eure Gesamtkosten massiv:
Time & Material (T&M): Ihr zahlt nach Aufwand. Klingt fair, kann aber explodieren. Laut Standish Group überschreiten 45 Prozent aller IT-Projekte im T&M-Modell das geplante Budget. Der Grund: Wenn die Agentur kein Risiko trägt, gibt es keinen Anreiz, effizient zu arbeiten.
Festpreis: Der Scope ist definiert, der Preis steht. Das zwingt beide Seiten zu einem sauberen Briefing und einer realistischen Planung. Ja, Festpreisprojekte erfordern mehr Vorarbeit. Aber genau diese Vorarbeit verhindert den Scope Creep, der T&M-Projekte teuer macht.
Bei datrycs arbeiten wir bewusst mit Festpreisen. Nicht, weil es einfacher ist (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil wir glauben, dass ihr als Auftraggeber Planungssicherheit verdient. Und weil ein Festpreis uns zwingt, vorher die richtigen Fragen zu stellen, statt nachher Nachträge zu schreiben.
Wann sich ein Relaunch lohnt und wann Optimierung reicht
Nicht jedes Problem braucht einen Relaunch. Manchmal reicht es, das bestehende System zu optimieren. Die Entscheidung hängt von drei Fragen ab:
Ein Relaunch lohnt sich, wenn:
- Die aktuelle Plattform keine Sicherheitsupdates mehr bekommt (wie Shopware 5 seit Juli 2024)
- Die Performance-Probleme architekturbedingt sind und sich nicht durch Optimierung lösen lassen
- Eure Wachstumsziele technisch unmöglich sind (z.B. Internationalisierung auf einem System, das keine Mehrsprachigkeit kann)
- Die technischen Schulden so hoch sind, dass jede Änderung doppelt so lange dauert wie nötig
Optimierung reicht, wenn:
- Das Backend stabil läuft, aber das Frontend veraltet ist (dann reicht ein Frontend-Relaunch)
- Die Conversion Rate unter dem Branchenschnitt liegt, aber die Plattform die nötigen Features hat
- Ihr die vorhandenen Plattform-Funktionen noch nicht voll ausschöpft (bei vielen Shopware- und Shopify-Shops der Fall)
Wenn ihr vor der Plattformentscheidung steht, hilft euch unser Vergleich Shopware vs. Shopify für den Mittelstand bei der Einordnung.
So plant ihr das Budget realistisch
Schritt 1: Projekttyp definieren
Klärt zuerst, welchen der vier Projekttypen ihr vor euch habt (siehe Tabelle oben). Ein Frontend-Redesign und ein komplexer Plattformwechsel sind komplett verschiedene Projekte.
Schritt 2: Versteckte Aufwände einpreisen
Nehmt die Angebotskosten und rechnet 30 bis 50 Prozent für versteckte Aufwände drauf. Ja, das klingt viel. Aber es ist realistischer als jedes Angebot, das nur die offensichtlichen Posten enthält.
Schritt 3: Laufende Kosten kalkulieren
Ein Relaunch ist kein Einmalprojekt. Plant mindestens 12 Monate laufende Kosten ein: Hosting, Lizenzen, Wartung, Monitoring, kleinere Optimierungen. Realistisch: 1.500 bis 5.000 EUR pro Monat, je nach Systemkomplexität.
Schritt 4: Business Case rechnen
Was bringt der Relaunch? Rechnet konservativ: Wenn ihr durch bessere Performance und UX nur 0,5 Prozentpunkte mehr Conversion erreicht, was bedeutet das bei eurem aktuellen Traffic in EUR pro Monat? Das ist die Zahl, an der sich das Investment messen muss.
Beispielrechnung: Mittelständler mit 3 Mio. EUR Online-Umsatz
Bei 0,5 Prozentpunkten mehr Conversion (von 2,0 % auf 2,5 %) bedeutet das: 15.000 EUR mehr Umsatz pro Monat, 180.000 EUR im Jahr. Der Relaunch rechnet sich in unter 10 Monaten.
Häufige Fragen zum Online-Shop-Relaunch
Wie lange dauert ein Online-Shop-Relaunch?
Ein reines Frontend-Redesign dauert 4 bis 8 Wochen. Ein Plattformwechsel im Mittelstand dauert realistisch 12 bis 24 Wochen. Komplexe Projekte mit vielen Integrationen und Internationalisierung können 6 bis 12 Monate dauern. Entscheidend ist nicht die reine Entwicklungszeit, sondern die Vorarbeit: Briefing, Architekturentscheidung, Datenbereinigung.
Was ist der Unterschied zwischen Relaunch und Migration?
Ein Relaunch umfasst alles: neues Design, neue Funktionen, optimierte Struktur. Das kann auf derselben Plattform passieren. Eine Migration ist der Wechsel von einer Plattform auf eine andere (z.B. Shopware 5 auf Shopify Plus). Eine Migration ist immer auch ein Relaunch, aber nicht jeder Relaunch ist eine Migration.
Kann ich während des Relaunches weiter verkaufen?
Ja, wenn der Parallelbetrieb sauber geplant ist. Der alte Shop läuft weiter, bis der neue live geht. Wichtig: Plant Kapazität für die Pflege beider Systeme ein. Bestellungen, Retouren und Support laufen im alten System weiter, während das neue aufgebaut wird.
Was passiert mit meinen Google-Rankings beim Relaunch?
Bei einer sauberen SEO-Migration mit vollständigem 301-Redirect-Mapping bleibt der Großteil der Rankings erhalten. Erfahrungsgemäß gibt es in den ersten 2 bis 4 Wochen nach dem Launch einen leichten Traffic-Rückgang (10 bis 20 Prozent), der sich dann wieder erholt. Ohne Redirect-Mapping können 30 bis 50 Prozent des organischen Traffics verloren gehen.
Wie finde ich die richtige Agentur für meinen Relaunch?
Achtet auf Erfahrung mit eurem Projekttyp, nicht nur mit eurer Plattform. Fragt nach Referenzen mit ähnlicher Komplexität. Prüft, ob das Angebot die versteckten Aufwände aus diesem Artikel enthält. Und: Achtet darauf, ob die Agentur die richtigen Fragen stellt, bevor sie ein Angebot abgibt. Eine Agentur, die nach einem einstündigen Call ein Angebot schickt, hat euer Problem nicht verstanden.
Lohnt sich ein Relaunch bei unter 1 Million EUR Online-Umsatz?
Ja, aber in kleinerem Umfang. Bei unter 1 Million EUR Umsatz ist ein kompletter Plattformwechsel selten wirtschaftlich. Prüft zuerst, ob ein Frontend-Redesign oder gezielte Optimierungen (Checkout-Flow, Ladezeit, Mobile UX) den gleichen Effekt günstiger erzielen. Ein Relaunch muss sich rechnen, nicht nur gut aussehen.
Was sind die größten Risiken bei einem Shop-Relaunch?
Die drei größten Risiken: (1) SEO-Verluste durch fehlerhafte Migration, (2) Budget- und Zeitüberschreitung durch unklaren Scope, (3) interne Ablehnung durch mangelndes Change Management. Alle drei lassen sich durch saubere Planung und die richtige Partnerwahl minimieren.
Nächste Schritte
Ihr plant einen Online-Shop-Relaunch und wollt wissen, was er in eurem konkreten Fall kostet? Wir geben euch in einem unverbindlichen Gespräch eine ehrliche Einschätzung: Was lohnt sich, was nicht, und wo die realistischen Kosten liegen.
Unverbindlich Kontakt aufnehmen
Wenn ihr noch nicht sicher seid, ob ein Relaunch der richtige Schritt ist, lest zuerst unseren Artikel über die Vorteile des Replatformings. Und wenn ihr wissen wollt, warum Projekte nach dem Go-live oft scheitern, findet ihr die Antwort hier.





























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