Die kurze Antwort
Für die meisten mittelständischen B2B-Händler ist die B2BSellers Suite auf einer günstigeren Shopware-Edition (Community oder Rise) die wirtschaftlichere Wahl: Sie liefert tiefere B2B-Händlerfunktionen (Kundenpreise, Artikelnummern-Mapping, Sales-Agent, OCI-Punchout) und läuft auf jeder Edition. Die nativen Shopware B2B Components sind ab der Edition Evolve enthalten und eine starke Wahl, wenn man eng in der Shopware-Plattform bleiben will. Die teuerste Edition Beyond lohnt sich nur, wenn deren Exklusivfeatures (Digital Sales Rooms, Multi-Warehouse, Subscriptions oder ein Enterprise-Support-SLA) wirklich gebraucht werden.
Beide Wege funktionieren technisch sauber. Die richtige Entscheidung hängt an drei Fragen: Wie viel Lizenzbudget? Wie stark ist der Außendienst? Wie komplex sind Preise und die Anbindung an die Warenwirtschaft (ERP)?
Erst die Begriffe klären
Bei diesem Thema werden regelmäßig drei Dinge verwechselt, auch weil zwei davon fast gleich heißen:
| Bezeichnung | Was es ist | Status |
|---|---|---|
| Shopware B2B Suite | Das alte, monolithische B2B-Plugin von Shopware | Auslaufmodell – wird nicht mehr weiterentwickelt |
| Shopware B2B Components | Der native Nachfolger: modular, einzeln aktivierbar, in die Plattform integriert | Aktiv, ab Edition Evolve |
| B2BSellers Suite | Ein spezialisiertes B2B-Plugin des Drittanbieters B2BSellers | Aktiv, läuft auf jeder Edition (inkl. Community) |
Achtung Namensfalle: Die alte Shopware B2B Suite und die B2BSellers Suite sind nicht dasselbe. Erstere ist ein abgekündigtes Shopware-Produkt, Letztere eine eigenständige Lösung eines anderen Herstellers.
Was sind die Shopware B2B Components?
Die Shopware B2B Components sind die nativen B2B-Funktionen der Shopware-Plattform, modular aufgebaut und ab der Edition Evolve enthalten. Sechs Module bilden den Kern:
- Quote Management: Angebotsanfragen aus dem Warenkorb, Bearbeitung durch den Vertrieb, Umwandlung in Bestellungen.
- Employee Management: Mehrere Mitarbeiterkonten je Firmenkonto mit Rollen und Rechten.
- Quick Order: Schnellbestellung per Artikelnummer oder CSV-Upload.
- Budgetverwaltung: Ausgabenlimits je Mitarbeiter oder Abteilung mit Sperre bei Überschreitung.
- Individuelle Preislisten: Kunden- oder gruppenspezifische Preise, sichtbar nach Login.
- Approval Rules: Automatisierte Freigabe-Workflows ab definierten Schwellenwerten.
Was ist die B2BSellers Suite?
Die B2BSellers Suite (aktuell Version 4.x) ist eine spezialisierte B2B-Erweiterung, die auf jeder Shopware-Edition läuft – inklusive der kostenlosen Community Edition. Sie ergänzt Shopware um tiefe Großhandelsfunktionen: kundenspezifische Preislisten pro Kundennummer, Artikelnummern-Mapping, einen Sales-Agent-Modus, OCI/cXML-Punchout und ein Downloadcenter.
Der Feature-Vergleich
Nutzerverwaltung & Organisation
| Funktion | B2BSellers Suite 4.x | Shopware B2B Components |
|---|---|---|
| Mitarbeiterkonten unter Firmenkonto | ✅ nativ | ✅ nativ |
| Granulare Rollen & Rechte | ✅ feingranular je Bereich | ◯ beschränkt auf Bestellungen, Mitarbeiter & Rollen |
| Org-Einheiten / Abteilungen / Kostenstellen | ✅ in allen Editionen | ★ nur in Beyond (Organisation Units) |
| Self-Registration mit Admin-Freigabe | ✅ Freigabe-Workflow | ⚙ nur über Custom-Registrierungsformular |
Preis- & Artikelsystem
| Funktion | B2BSellers Suite 4.x | Shopware B2B Components |
|---|---|---|
| Kundenspezifische Preislisten pro Kundennummer | ✅ natives Kunden-Preismodul | ⚙ via Rule Builder + Advanced Prices |
| Einkaufspreis (EK) + Listenpreis gleichzeitig | ✅ | ❌ nicht standardmäßig |
| Rabattstaffeln & Mengenpreise | ✅ direkt je Kunde | ✅ via Rule Builder |
| Automatisch günstigsten Preis anzeigen | ✅ | ⚙ via Rule Builder, mehr Aufwand |
Bestellung, Listen & Budgets
| Funktion | B2BSellers Suite 4.x | Shopware B2B Components |
|---|---|---|
| Kundenartikelnummern (Mapping) | ✅ | ❌ |
| Suche nach Kundenartikelnummer | ✅ | ❌ |
| Schnellbestellung per Artikelnummer | ✅ | ✅ |
| Schnellbestellung per CSV/Excel-Upload | ✅ | ✅ |
| Persistenter / firmenweiter Warenkorb | ✅ teilbar | ❌ nicht nativ |
| Budgets & Bestelllimits | 🔧 Addon | ✅ nativ (Order Approval) |
| Mehrstufige Freigabe-Workflows | 🔧 Addon | ✅ nativ |
Angebotswesen & Vertrieb
| Funktion | B2BSellers Suite 4.x | Shopware B2B Components |
|---|---|---|
| Angebot anfordern (RFQ aus Warenkorb) | ✅ | ✅ |
| Angebot in Bestellung umwandeln | ✅ | ✅ |
| Angebotsversionen & Revisionen | ✅ volle Versionshistorie | ◯ Status-Tracking |
| Automatische Angebotserstellung | ✅ regelbasiert | ❌ nur manuell |
| Sales-Agent: im Namen des Kunden bestellen | ✅ | ❌ |
| Digital Sales Rooms (Co-Browsing) | ❌ | ★ exklusiv Beyond |
OCI / ERP-Integration
| Funktion | B2BSellers Suite 4.x | Shopware B2B Components |
|---|---|---|
| ERP-Integration über Standard-API | ✅ + eigene Connector-Bibliothek | ✅ |
| OCI-Schnittstelle (Punchout) | 🔧 Addon (ab v4.0) | ❌ |
| cXML / Ariba Punchout | 🔧 Addon | ❌ |
| Altaufträge aus ERP im Portal anzeigen | ✅ | ❌ nur Shop-Bestellungen |
Was kostet der Unterschied? (Beispielrechnung)
Nehmen wir ein typisches Mittelstandsszenario: 1 Mio. € GMV pro Jahr.
| Shopware-Edition | Edition-Lizenz (mtl.) | Native B2B Components | B2B mit B2BSellers Suite |
|---|---|---|---|
| Rise | ~600 € | ❌ nicht enthalten | + ab 249 € (Starter) / 499 € (Advanced) |
| Evolve | ~2.400 € | ✅ enthalten (Kernmodule) | optional ergänzbar |
| Beyond | ~6.500 € | ✅ + Beyond-Exklusives | — |
Daraus ergeben sich drei klare Wege:
- Günstigster Weg zum vollwertigen B2B-Portal: Rise + B2BSellers Advanced ≈ 1.100 €/Monat.
- Nativer B2B-Einstieg: Evolve ≈ 2.400 €/Monat, B2B Components inklusive.
- Volle Plattform: Beyond ≈ 6.500 €/Monat – nur sinnvoll, wenn Digital Sales Rooms, Multi-Warehouse, Subscriptions oder Enterprise-SLA gebraucht werden.
Mehr als Features: drei strategische Argumente
1. Wartbarkeit & Hersteller-Abhängigkeit
Mit der B2BSellers Suite bündelt sich der Großteil der B2B-Funktionalität bei einem Hersteller. Das reduziert die Wartungskomplexität erheblich: ein Ansprechpartner, ein abgestimmter Release-Zyklus, weniger Konfliktpotenzial bei Updates.
2. Reversibilität & Abwärtskompatibilität
Die B2BSellers Suite ist ein Plugin – kein Lock-in. Sie lässt sich jederzeit wieder aus dem Shop herausnehmen, und das System fällt sauber auf den Shopware-Standard zurück.
3. Der richtige Scope statt „Wünsch dir was“
Die größten Kostentreiber entstehen nicht in der Technik, sondern im Lastenheft. Mit 80 % der Funktionalität lässt sich zu klar kontrollierbaren Kosten bereits sehr viel bewirken. Die letzten 20 % verschlingen erfahrungsgemäß den Großteil des Budgets.
Entscheidungsmatrix
Die B2BSellers Suite passt, wenn …
- Sie ein klassisches Großhandels-/Händlerportal mit komplexen Kundenpreisen betreiben.
- Ihre Kunden mit eigenen Artikelnummern bestellen (Mapping).
- Ein Innen-/Vertriebsteam im Namen der Kunden bestellt (Sales-Agent).
- OCI/cXML-Punchout zu ERP-Systemen Ihrer Kunden gefragt ist.
- Sie das Lizenzbudget schlank halten oder per Einmalkauf kalkulieren wollen.
Die nativen B2B Components (ab Evolve) passen, wenn …
- Sie eng in der Shopware-Plattform bleiben und Flow Builder sowie Rule Builder intensiv nutzen wollen.
- Mehrstufige Budget- und Freigabe-Workflows zentral und nativ laufen sollen.
- Sie ohne Drittanbieter-Plugin auskommen und alles aus einer Hand beziehen möchten.
Beyond lohnt sich zusätzlich, wenn …
- Sie einen aktiven Außendienst über Digital Sales Rooms digitalisieren wollen.
- Sie mehrere Lagerstandorte mit Multi-Warehouse/Multi-Inventory steuern.
- Sie native Subscriptions/Abonnements anbieten.
- Sie ein Enterprise-SLA mit 24/7-Support benötigen.
Unsere Einschätzung als Shopware-Partner
Als Agentur, die beide Wege in Mittelstandsprojekten umsetzt, sehen wir ein klares Muster: Höhere Editionen lohnen sich an konkreten Funktionen, nicht am Prestige. Wer Digital Sales Rooms, Multi-Warehouse oder Subscriptions tatsächlich nutzt, bekommt mit Beyond echten Gegenwert. Wer „nur“ ein leistungsfähiges B2B-Händlerportal braucht, fährt mit der B2BSellers Suite auf einer günstigeren Edition meist deutlich wirtschaftlicher.
Unsere Empfehlung: Erst den Bedarf an den Beyond-Exklusivfeatures prüfen, dann die Edition wählen. Die Lizenzentscheidung ist die teuerste Einzelentscheidung im Projekt.







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