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Veröffentlicht am
28 October 2026

Agentur-eigenes Hosting: Wann wird daraus ein Vendor-Lock-in?

Markus Lorenz
Markus Lorenz
CEO

Die kurze Antwort

Agentur-eigenes Hosting ist an sich kein Warnsignal. Problematisch wird es erst, wenn Server, Code und Zugänge so verwaltet werden, dass ein Wechsel technisch oder vertraglich erschwert wird, selbst wenn der Kunde das eigentlich dürfte. Der Test ist einfach: Bekommst du auf Nachfrage sofort vollständigen Zugriff auf Code, Domain und Serverzugänge, oder wird das verzögert, abgelehnt oder unnötig kompliziert gemacht? Nur im zweiten Fall liegt ein echter Vendor-Lock-in vor.

Was passiert mit meinem Shopware-Shop, wenn die Agentur insolvent geht oder das Projekt einstellt?

Wenn Code, Domain und Serverzugänge ausschließlich bei der Agentur liegen, kann ein Shop im schlimmsten Fall offline gehen, sobald die Agentur nicht mehr erreichbar ist. Ist der Kunde dagegen vertraglich dokumentierter Inhaber aller Zugänge, bleibt der Shop technisch handlungsfähig, auch wenn die bisherige Agentur ausfällt.

Genau deshalb lohnt sich diese Frage schon beim Vertragsschluss, nicht erst im Ernstfall. Ein einfacher Praxistest: Frage die aktuelle Agentur, wie lange eine vollständige Übergabe aller Zugänge dauern würde, falls du morgen wechseln müsstest. Eine klare, kurze Antwort ist ein gutes Zeichen, Ausweichen oder Unsicherheit eher nicht.

Woran erkenne ich, ob eine Agentur bewusst einen Vendor-Lock-in aufbaut?

Ein klares Anzeichen ist, wenn Zugänge auf Nachfrage verzögert, nur teilweise oder gar nicht herausgegeben werden, obwohl das vertraglich möglich wäre. Wie unser Beitrag zu Warnsignalen bei laufenden Projekten beschreibt, sind stille Abhängigkeitsstrukturen dort eines von mehreren Warnsignalen in laufenden Projekten. Dieser Artikel geht genau diesem Punkt im Detail nach.

Wer noch vor der eigentlichen Beauftragung steht, findet die grundsätzlichen Auswahlkriterien in unserem Beitrag zur richtigen Agenturwahl und, ergänzend dazu, in Bauchgefühl vs. Budget bei der Agenturwahl.

Wem gehören Quellcode, Serverzugänge und Domain, wenn die Agentur selbst hostet?

Maßgeblich ist der Vertrag. Wer hostet, ist nicht automatisch Eigentümer von Code, Domain oder Zugängen. Wie es in unserem Beitrag zu Agentur-Warnsignalen heißt: „Frage frühzeitig danach, wem Code, Domain und Serverzugänge vertraglich gehören, nicht erst beim Wechselwunsch.“ Ohne diese Klärung bleibt die Frage im Streitfall offen.

Diese Unklarheit betrifft in der Praxis vor allem den Domain-Eintrag selbst: Registriert die Agentur die Domain auf ihren eigenen Namen statt auf den des Kunden, hängt die Domainhoheit an der Geschäftsbeziehung, unabhängig davon, was sonst vertraglich vereinbart wurde.

Wie wechsle ich als Kunde den Hosting-Anbieter für einen Shopware-Shop ohne Downtime?

Der übliche Weg ist ein paralleler Aufbau der neuen Umgebung, ein vollständiger Datenabgleich kurz vor dem Umzug und ein Domain-Umzug per DNS-Umstellung mit möglichst kurzer Übergangszeit. Voraussetzung dafür ist immer vollständiger Zugriff auf Code und Daten der alten Umgebung, sonst lässt sich der Abgleich gar nicht sauber durchführen.

Ohne diesen Zugriff bleibt nur die deutlich riskantere Variante, den Shop komplett neu aufzusetzen. Soll nicht nur das Hosting, sondern die gesamte Plattform gewechselt werden, gilt ein anderer Ablauf, dazu mehr in unserem Beitrag zum Wechsel von Shopware zu Shopify.

Was kostet ein Wechsel von Hosting-Anbieter bzw. Agentur bei einem laufenden Shop?

Die eigentlichen Wechselkosten liegen selten im reinen Hosting-Preis, sondern im Aufwand für Datenübernahme, möglichem Ausfall während der Umstellung und der Anpassung angebundener Schnittstellen, wie die Vendor-Lock-in-Erklärung von heise für IT-Dienstleister allgemein beschreibt. Bei fehlendem Zugriff auf Code und Konfiguration kommt der Aufwand hinzu, viele dieser Informationen erst wieder zu rekonstruieren.

Mit vollständiger, dokumentierter Übergabe bleibt der Wechsel überschaubar. Ohne sie kann er mehr kosten, als der Wechsel einsparen sollte. Plane deshalb realistisch einen mehrwöchigen Vorlauf ein, in dem beide Seiten parallel arbeiten, statt den Wechsel als einmaligen Stichtag zu behandeln. Was ein laufender Shop an reinem Hosting ohnehin kostet, hängt stark vom gewählten Partner ab, mehr dazu in unserem Kostenartikel.

Was sollte im Hosting-/Wartungsvertrag stehen, damit der Kunde unabhängig bleibt?

Wichtig sind eine explizite Eigentumsregelung für Code, Domain und Zugänge, eine feste Frist für die vollständige Zugangsübergabe im Kündigungsfall und der Verzicht auf Exklusivitätsklauseln, die einen Wechsel technisch erschweren würden. Ohne diese drei Punkte bleibt die tatsächliche Unabhängigkeit reine Zusage statt vertraglicher Absicherung.

Verlange diese Punkte konkret im Vertragsentwurf, statt dich auf eine mündliche Zusicherung zu verlassen. Eine mündliche Zusage kostet im Streitfall nichts, eine vertraglich fixierte Frist für die Zugangsübergabe lässt sich dagegen tatsächlich einfordern.

Was ist der Unterschied zwischen Managed Hosting bei einem neutralen Hoster und agentureigenem Hosting?

Bei einem neutralen Hoster lassen sich Agentur und Hosting-Anbieter unabhängig voneinander wechseln, wie es in unserem Beitrag zum Shopware-Hosting-Vergleich beschrieben wird: „Ein Anbieterwechsel ist technisch aufwendiger als ein Agenturwechsel, weil er echte Downtime-Risiken birgt.“ Bei agentureigenem Hosting fallen beide Wechsel zwangsläufig zusammen, weil Agentur und Hoster identisch sind.

Wie vermeidet man Vendor-Lock-in bei IT-/Cloud-Dienstleistern generell, und was lässt sich davon auf Webagenturen übertragen?

Für IT-Dienstleister allgemein empfiehlt heise, Anbieter vor Vertragsschluss genau zu prüfen, Vertragsbedingungen sorgfältig zu lesen und darauf zu achten, ob etablierte Standards statt proprietärer Eigenentwicklungen verwendet werden. Auf Webagenturen übertragen heißt das: prüfen, ob Server- und Deployment-Setup nach gängigen, dokumentierten Standards laufen statt nach undokumentierten Eigenlösungen, die nur die Agentur selbst versteht.

Konkret heißt das: Lass dir vor Vertragsschluss zeigen, wie Server und Deployment dokumentiert sind und ob eine andere Agentur damit arbeiten könnte.

Welche Rechte hat ein Kunde vertraglich an Server-, FTP- und Admin-Zugängen?

Ohne explizite Regelung im Vertrag bleibt unklar, ob der Kunde jederzeit vollen administrativen Zugriff beanspruchen kann oder nur auf gesonderte Anfrage. Deshalb sollte der Vertrag festhalten, dass FTP-, Datenbank- und Admin-Zugänge durchgehend beim Kunden liegen, nicht nur auf Wunsch bereitgestellt werden.

Am einfachsten lässt sich das prüfen, indem du dir schon während der laufenden Zusammenarbeit einmal testweise Zugriff geben lässt, statt erst beim Wechsel darauf angewiesen zu sein.

Woran erkennt man eine vertrauenswürdige Agentur im Vergleich zu einer, die Kunden einsperrt?

Eine vertrauenswürdige Agentur gibt vollständige Zugänge unaufgefordert weiter und dokumentiert die Infrastruktur so, dass eine andere Agentur sie im Ernstfall übernehmen könnte. Eine Agentur, die Kunden einsperrt, verzögert genau das, meist mit technischen oder organisatorischen Ausreden statt einer klaren Ablehnung.

Warum verzichten manche Agenturen bewusst auf eigenes Hosting, und was sagt das über die Beziehung zum Kunden?

Manche Agenturen verzichten bewusst auf eigenes Hosting und konzentrieren sich darauf, Shops zu entwickeln und weiterzuentwickeln. Den Plattformbetrieb übernimmt ein spezialisierter Hoster. Bei uns schließt der Kunde den Hostingvertrag direkt mit dem Hoster ab. Code und Infrastruktur bleiben damit beim Kunden, auch wenn die Zusammenarbeit mit uns einmal endet. Für eine Agentur ist das eher untypisch. Für dich heißt es: Ein Agenturwechsel berührt deinen Hostingvertrag nicht.

Im Projekt arbeiten Agentur und Hoster trotzdem eng zusammen und treten dir gegenüber als ein Team auf. Welcher Hoster zu welchem Projekt passt, ordnen wir je nach Bedarf zu, wie im Hosting-Vergleich beschrieben.

Für dich steckt darin eine einfache Prüffrage an jede Agentur: Wer betreibt am Ende deinen Server, und mit wem hast du dafür den Vertrag? Liegt beides bei der Agentur, hängt dein Shop an genau einer Geschäftsbeziehung.

Schafft Wechselfreiheit tatsächlich einen Qualitätsanreiz für die Agentur, oder ist das nur Marketing-Rhetorik?

Wechselfreiheit allein garantiert keine bessere Leistung, sie entfernt nur eine künstliche Hürde für den Fall, dass die Leistung nicht stimmt. Der eigentliche Qualitätsanreiz entsteht erst durch die Kombination aus echter Wechselfreiheit und regelmäßiger, ehrlicher Leistungsbewertung, wie sie auch unser Beitrag zu objektiven Kennzahlen bei Agenturleistung beschreibt.

Wie wir dich unterstützen können

Wir bei datrycs trennen Agentur- und Hosting-Rolle bewusst und arbeiten mit externen, spezialisierten Hosting-Partnern statt selbst zu hosten. Wenn du unsicher bist, wem Code, Domain und Zugänge bei deinem aktuellen Setup vertraglich gehören, sprich uns über das Kontaktformular am Ende dieser Seite an.

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